Krankheiten in der Schwangerschaft

Körperliche Veränderungen während der Schwangerschaft sind normal und für die Entwicklung des ungeborenen Kindes notwendig. Leichte Beschwerden als Begleiterscheinung sind häufig und in der Regel nicht bedenklich. In einigen Fällen entwickeln sich im Verlauf der Schwangerschaft jedoch Krankheitsbilder. Diese müssen rechtzeitig behandelt werden, da sie ansonsten eine ernste Gefahr für die Gesundheit von Mutter und Kind darstellen können.

Die Untersuchungen im Eltern-Kind-Pass helfen, beginnende Erkrankungen frühzeitig zu erkennen.

Inhaltsverzeichnis

Starkes Erbrechen (Hyperemesis gravidarum)

Vor allem zu Beginn der Schwangerschaft leiden viele Frauen unter Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen. Die Ursache für die Schwangerschaftsübelkeit ist nicht vollständig geklärt, es wird jedoch mit dem gestiegenen Sexualhormonspiegel und dem Anstieg des Hormones hCG in Zusammenhang gebracht. Auch psychische und soziale Faktoren (z.B. Stress, Ängste, Konfliktsituationen) können einen Einfluss auf die Entwicklung des Schwangerschaftserbrechens haben.

Wenn die Neigung zum Erbrechen über das erste Schwangerschaftsdrittel hinaus anhält oder die Frau sich mehrmals am Tag erbrechen muss, besteht die Gefahr, dass der Körper unterversorgt wird. Daraus können sich schwere Störungen des Stoffwechsels, des Elektrolythaushalts und der Leberfunktion entwickeln. In ausgeprägten Fällen ist eine medikamentöse Behandlung sowie unter Umständen ein Krankenhausaufenthalt nötig, um mit Infusionen die Verluste an Flüssigkeit, Mineralstoffen und Vitaminen auszugleichen.

Schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck

Aufgrund der Anpassungen des Herz-Kreislauf-Systems an die Schwangerschaft nimmt der Blutdruck in den ersten Wochen meist leicht ab, bevor er gegen Ende der Schwangerschaft wieder Normalwerte erreicht.

Ab der zweiten Schwangerschaftshälfte kommt es bei einigen Frauen zu einer übermäßigen Erhöhung des Blutdruckes; ab einem Wert von 140/90 mmHg spricht man von einer Schwangerschaftshypertonie. Die Ursache ist oft unbekannt, genetische Faktoren, der Lebensstil (Ernährung, Bewegung etc.) und die Umstellungen in der Schwangerschaft spielen eine Rolle. Ein in der Schwangerschaft neu aufgetretener Bluthochdruck normalisiert sich in der Regel kurz nach der Geburt wieder.

Eine chronische Hypertonie, die schon vor der Schwangerschaft bestanden hat, kann sich im Zuge der körperlichen Anpassungen in der ersten Schwangerschaftshälfte normalisieren und erst in der zweiten Hälfte wieder zeigen.

Eine geringgradige Blutdruckerhöhung ohne weitere Begleiterkrankungen stört in der Regel den Schwangerschaftsverlauf nicht. Allerdings kann Bluthochdruck zu Gefäßveränderungen der Organe und der Plazenta führen, auch das Risiko für eine vorzeitige Plazentaablösung oder Wachstumsstörungen des Kindes steigen an. In schweren Fällen ist daher eine medikamentöse Behandlung nötig. Bluthochdruck kann zudem ein erstes Anzeichen einer beginnenden Präeklampsie sein, die eine für Mutter und Kind gefährliche Erkrankung darstellt.

Präeklampsie

 Eine Präeklampsie ist durch die Kombination von Bluthochdruck mit erhöhter Eiweißausscheidung über den Urin (Proteinurie) gekennzeichnet. Zusätzlich können Ödeme auftreten, vor allem an den Beinen, den Händen und im Gesicht. Die Präeklampsie gehört zu den sogenannten Gestosen, die umgangssprachlich als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet werden (der Begriff ist jedoch veraltet). Sie kann ab der zweiten Schwangerschaftshälfte auftreten.

Die Ursache der Präeklampsie ist nicht eindeutig geklärt. Diverse Botenstoffe, die die Gefäßbildung steuern, sowie Stoffwechselvorgänge scheinen bei der Entstehung eine Rolle zu spielen. Der erhöhte Blutdruck ist die Folge von Gefäßverengungen, die auch zu einer verminderten Durchblutung der betroffenen Gewebe (z.B. der Plazenta) führen. Die erhöhte Eiweißausscheidung über den Urin und die Ödeme sind Anzeichen weiterer Organschädigungen (z.B. einer Störung der Nierenfunktion). Auch eine Erhöhung der Leberwerte im Blut ist möglich. Die Erkrankung bildet sich nach der Geburt zurück.

Risikofaktoren sind

  • eine Präeklampsie in einer vorangegangenen Schwangerschaft,
  • bestehende Nierenerkrankungen,
  • chronischer Bluthochdruck,
  • Diabetes,
  • hoher BMI in der Schwangerschaft sowie
  • Mehrlingsschwangerschaft.

Die Präeklampsie ist mit einem hohen Gesundheitsrisiko für Mutter und Kind verbunden. Es besteht die Gefahr multipler Organschädigungen, einer Unterversorgung des ungeborenen Kindes sowie einer vorzeitigen Plazentaablösung. Die Symptome der Präeklampsie können sehr unterschiedlich sein, betroffene Frauen klagen z.B. über Kopfschmerzen, Schwindel, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen, Sehstörungen oder plötzliche Gewichtszunahme. Die Beschwerden können innerhalb kürzester Zeit auftreten und sich rasch verschlechtern, innerhalb von Stunden kann eine Eklampsie oder ein HELLP-Syndrom (siehe unten) entstehen.

Bei einer leichten Form der Erkrankung kommen als therapeutische Maßnahmen körperliche Schonung oder Bettruhe sowie unter Umständen medikamentöse Blutdrucksenkung infrage. Generell ist es jedoch nicht möglich, die Ursache der Erkrankung zu behandeln. Bei schwerer Ausprägung muss die Schwangerschaft beendet werden. Je nach Schwangerschaftsalter müssen die Risiken durch die Erkrankung selbst gegen die Risiken einer Frühgeburt individuell gegeneinander abgewogen werden.

Eklampsie

Eine Eklampsie kann auf eine schwere Präeklampsie folgen, sie kann aber auch plötzlich auftreten, ohne vorausgehenden Bluthochdruck oder Proteinurie. Bei einer Eklampsie kommt es zu neurologischen Störungen, insbesondere besteht die Gefahr von Krampfanfällen. Die Anfälle ähneln einem epileptischen Anfall und können mit Bewusstlosigkeit und Atemstillstand einhergehen. Komplikationen wie Thrombosen, Hirnblutungen, Netzhautschäden oder Hirnödem sind möglich.

Die Eklampsie stellt eine lebensbedrohende Situation für die Mutter und das Kind dar, eine umgehende Notfallversorgung und stationäre Behandlung ist wichtig. Unter Umständen muss die Schwangerschaft sofort beendet werden.

HELLP-Syndrom

Das HELLP-Syndrom ist eine seltene, gefährliche Variante der Präeklampsie, kann aber auch ohne Vorzeichen plötzlich auftreten. Bei der Erkrankung kommt es zu

  • einer Zerstörung der roten Blutkörperchen (Hämolyse),
  • einer Erkrankung der Leber mit Erhöhung der Leberwerte (Elevated Liver Enzymes) sowie zu
  • einem starken Abfall der Zahl der Blutplättchen (Low Platelets).

Die genaue Ursache ist ebenso wie bei der Präeklampsie nicht vollständig geklärt. Als Symptome treten allgemeines Unwohlsein, starke Schmerzen im rechten Oberbauch, plötzliche Kopfschmerzen, Sehstörungen und Übelkeit auf. Aufgrund der Blutbildveränderungen besteht eine erhöhte Blutungsneigung. Innerhalb kurzer Zeit drohen schwere Organschäden und Plazentainsuffizienz oder -ablösung.

Als Therapie wird in der Regel eine rasche Entbindung vorgenommen. Das HELLP-Syndrom kann auch noch nach der Geburt auftreten, eine intensive Überwachung ist notwendig.

Schwangerschaftsdiabetes

Wenn Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) zum ersten Mal in der Schwangerschaft auftritt, spricht man von Schwangerschaftsdiabetes. Die Störung im Kohlenhydratstoffwechsel kann durch den Anstieg der Schwangerschaftshormone ausgelöst werden. Allerdings kann ein versteckter Diabetes mellitus (Typ I oder Typ II) bereits vor der Schwangerschaft bestanden haben.

Bei der Schwangeren kann ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel unter anderem zu häufigen Harnwegsinfekten oder Pilzinfektionen der Scheide führen. Zudem ist das Risiko für Bluthochdruck, Präeklampsie oder Frühgeburt deutlich erhöht. Mit den entsprechenden therapeutischen Maßnahmen verläuft die Schwangerschaft in den meisten Fällen aber unkompliziert.

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Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.

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Quelle: www.gesundheit.gv.at: Krankheiten in der Schwangerschaft

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